Wer bestellte die Handschriften?

Paris, Bibliothèque de l'Arsenal, MS 3142 f. 72r Reproduced by courtesy of Bibliothèque nationale de France : gallica.bnf.fr/?lang=EN

Der berühmte Dichter Adenet le Roi (13. Jh.) überreicht seinem Auftraggeber das fertige Buch.
Paris, Bib. de l’Arsenal, MS 3142, f. 72r
Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Bibliothèque nationale de France : gallica.bnf.fr/?lang=EN

Das ganze Mittelalter hindurch konnten Kunst und Literatur allein durch die Finanzierung wohlhabender Gönner (sogenannter Mäzene) entstehen. Freischaffende und selbstfinanzierte Künstler gab es nicht. Hier finden Sie weitere Informationen zum mittelalterlichen Literaturbetrieb und der Bedeutung der Mäzene.

Natürlich musste nicht nur die Dichtung finanziert werden, sondern auch das Buch, in dem sie niedergeschrieben wurde. Unsere Abbildung zeigt, wie sowohl das Werk als auch das Buch dem Auftraggeber verpflichtet sind.

Auch wenn Handschriften abgeschrieben wurden (also nicht oder nicht überwiegend Originaldichtung enthielten), ging das nur mit Geldgebern, denn die Produktion war teuer (lesen Sie hier mehr zur Herstellung oder speziell zu den Beschreibstoffen Papier oder Pergament). Waren diese zunächst überwiegend Adelige, so kamen im Spätmittelater immer mehr zu Geld gekommene Bürger der florierenden Städte hinzu. Auch die Auftraggeber von Handschriften sind manchmal in diesen verewigt. So kann es sein, dass die einzige Illustration in der französischen Handschrift BNF, fr. 837 den Auftraggeber darstellt.

Mit der Verbreitung von Werkstätten, die sich auf die Herstellung von Handschriften spezialisierten und professionelle Spezialisten beschäftigen (Buchbinder, Schreiber, Illustratoren, Rubrikatoren (?)) entstand schließlich eine Vorform des Buchhandels. Bücher wurden nun nicht mehr nur als Auftragswerke produziert, sondern die Werkstätten versuchten, den Geschmack der Käufer zu antizipieren, und hielten vorab produzierte Bücher zum Sofort-Kaufen bereit.

Cpg314-1r

Der Beginn von Ulrich Boners ‘Edelstein’ in einer Handschrift aus Diebold Laubers Werkstatt.
Heidelberg, UB, Cpg 314, f. 1r.
Abbildung mit freundlicher Genehmigung der UB Heidelberg, http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg314/0039

Das wohl berühmteste Beispiel einer solchen hochspezialisierten und sehr erfolgreichen Werkstatt im deutschsprachigen Raum ist die von Diebold Lauber im 15. Jahrhundert (hier der Link zu einer sehr anschaulichen Virtuellen Ausstellung der UB Heidelberg dazu). Lauber produzierte billige und viele Papierhandschriften mit zahlreichen Illustrationen und erschloss sich damit breite Käuferkreise. Seine Bücher haben ein einheitliches Layout, was gleichzeitig eine zügige Produktion erlaubte und einen hohen Wiedererkennungswert hatte – hat man ein paar Lauber-Handschriften gesehen, kann man andere auch heute noch leicht erkennen.

In der Handschrift, aus der unser Bild stammt, hat sich ein einzigartiges weiteres Zeugnis dazu erhalten, wie Laubes Buchhandel funktionierte: Auf Blatt 4ar ist eine Werbeanonce eingeklebt, mit der Lauber auf die vielen in seiner Werkstatt produzierten Handschriften hinwies – und das erinnert dann schon sehr an unsere Bücher, in denen am Schluss auf weitere Bücher desselben Verlages hingewiesen wird.

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