Warum wurden die Teile zusammengebunden?

Was sind also die Gründe dafür, dass man die unabhängigen Faszikel (?) später zu einem Buch zusammengebunden hat? Hier sind ein paar mögliche Antworten:
  • Die Texte waren alle noch ziemlich aktuell.
  • Sie stammten von beliebten Autoren der Region.
  • Es handelte sich um Sammlerstücke.
  • Sie zeigen die Verbindungen zwischen zwei adeligen Familien (was aus den in der Handschrift vorkommenden Namen rückgeschlossen werden kann).
mgq 719Grasmetze

Anfang der ‘Die Grasmetze’ von Hermann von Sachsenheim;
Berlin, SBB-PK, Ms.germ.qu. 719, fol. 196r.

Es ist auffällig, dass die Texte verschiedene Geschmäcker und Vorlieben bedienen. Sie reichen vom Lehrhaften bis zum Erotischen, und sie stellen – wie unsere modernen Statussymbole – eine Form der adeligen Selbstrepräsentation dar. Allerdings eher weniger in materieller Hinsicht, denn das, was Sie auf dem BIld rechts sehen, ist die aufwändigste Seite der ziemlich durchschnittlich gestalteten Handschrift.

Der Inhalt jedoch – Texte über Liebe – scheint genau diese Funktion der adeligen Selbstrepräsentation gehabt zu haben: Die Texte verweisen auf zwei durch Ehe und Literatur verbundene Adelsfamilien. Sie passen gut zusammen – genauso wie das aus mehreren Faszikeln zusammengefügte Buch. Das einzige, was zunächst verwirrt, sind in diesem Kontext die Gebete, die nicht so recht zum Rest der Handschrift passen wollen. Aber vielleicht gibt es auch für sie eine Erklärung, mit der wir sogar die Handschrift noch genauer datieren können.

Es gibt eine andere Handschrift aus derselben Zeit, an der man ebenfalls sehen kann, wie Texte über Liebe als adelige Selbstrepräsentation funktionieren konnten.

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