Weiße Handschuhe

Wenn Sie diesen Text auf Ihrem iPad lesen, haben Sie vermutlich heute schon ein paarmal Ihren Touch-Screen gereinigt, denn bei jeder Berührung hinterlassen Sie Fingerabdrücke. Selbst bei einem Computer hat man Fingerabdrücke auf dem Bildschirm, ganz zu schweigen von den Blagerungen auf der Tastatur.

Dasselbe passiert natürlich mit allen anderen Dingen, die wir anfassen, also auch mit mittelaterlichern Handschriften. Bei jeder Berührung übertragen sich Spuren von Schweiß und Fett. Das Problem ist dabei nicht nur, dass das Buch auf Dauer schmutzig aussieht, sondern dass die Säure das Papier oder Pergament angreift und es schneller altern lässt. (Dreck hat allerdings auch sein Gutes: Für Forscher ist der Verschmutzungs-Grad eines Buches ein wichtiger Hinweis darauf, wie und wieviel es benutzt wurde!)

Aus diesem Grund kann es helfen, beim Arbeiten mit mittelalterlichen Handschriften Handschuhe zu tragen. Andererseits kann man Einzelblätter nicht gut mit ihnen greifen, so dass man leicht Knicke in die Seiten macht. Daher sind sie in vielen Bibliotheken nicht mehr üblich. Am besten ist es, die Handschrift nach dem Aufschlagen so wenig wie möglich zu berühren (und sich regelmäßig die Hände zu waschen).

Grundsätzlich gilt sowieso, dass man – anders als  Mr. Bean – gar nicht vorsichtig genug mit diesen Büchern umgehen kann. Tausende von ihnen haben ohnehin nicht bis heute überlebt. Die Handschriften, die es noch gibt, sind alle sind Unikate und unersetzlich.

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