{"id":984,"date":"2012-10-05T11:27:05","date_gmt":"2012-10-05T11:27:05","guid":{"rendered":"http:\/\/labs.stefanschleifer.com\/codex\/?p=984"},"modified":"2013-08-19T15:08:55","modified_gmt":"2013-08-19T15:08:55","slug":"multilingualism","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=984","title":{"rendered":"Vielsprachigkeit"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1082\" style=\"width: 455px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/multiling.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1082\" class=\"size-full wp-image-1082  \" title=\"Oxford, Bodleian Library MS. Bodl. 264, fol. 8r and fol. 209r (details)\" alt=\"Oxford, Bodleian Library MS. Bodl. 264, fol. 8r and fol. 209r (details)\" src=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/multiling.jpg\" width=\"445\" height=\"402\" srcset=\"https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/multiling.jpg 445w, https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/multiling-300x271.jpg 300w, https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/multiling-332x300.jpg 332w\" sizes=\"(max-width: 445px) 100vw, 445px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1082\" class=\"wp-caption-text\">Diese Handschrift versammelt Texte auf franz\u00f6sisch (oben) und englisch (unten).<br \/>Oxford, Bodleian Library, MS. Bodl. 264, fol. 8r and fol. 209r (Ausschnitt)<\/p><\/div>\n<p>Im 14. und 15. Jahrhundert gab in England drei Sprachen. <strong>Englisch<\/strong> war am weitesten verbreitet, vor allem als gesprochene Sprache, aber im Laufe des 14. Jahrhunderts auch zunehmend in der Schrift. <strong>Latein<\/strong> war die Sprache der Gebildeten in ganz Europa, und gelehrte Texte wurden fast ausschlie\u00dflich in lateinischer Sprache aufgeschrieben (Recht und Theologie, Medizin und Wissenschaften); daneben fand es aber auch as Literatursprache Verwendung, bei der Tradierung der klassischen antiken Epen ebenso wie zeitgen\u00f6ssischer derb-komischer Lyrik. <strong>Franz\u00f6sisch<\/strong> war im 11. Jahrhundert\u00a0mit den Normannen auf die Insel gekommen, und im 12. und 13. Jahrhundert hatte sich in diesem franz\u00f6sischen Dialekt (dem sog. Anglonormannischen) eine anspruchsvolle literarische Tradition herausgebildet. Selbst als die Bedeutung des Franz\u00f6sischen um 1300 nachlie\u00df, gab es immer noch gen\u00fcgend Texte, die vorgetragen und aufgeschrieben wurden, besonders unter den Gebildeten und am Hof.<\/p>\n<p>Die Handschrift Bodley 264 enth\u00e4lt Texte in zwei dieser drei Srachen, franz\u00f6sisch und englisch. Das deutet darauf hin, dass der Besitzer des franz\u00f6sischen <em>Roman d\u2019Alexandre<\/em>, der den englischen Text <em>Alexander and Dindimus <\/em>erg\u00e4nzen lie\u00df, beide Sprachen konnte. Eine derartige Mehrsprachigkeit war nichts Ungew\u00f6hnliches unter gebildeten Adeligen, die nat\u00fcrlich am ehesten als Besitzer f\u00fcr ein so kostbares Buch in Frage kamen. Aber nicht nur <em>Alexander and Dindimus<\/em>, sondern auch der franz\u00f6sische Marco-Polo-Text wurde erg\u00e4nzt, als das Buch nach England gekommen war. Das bedeutet, dass die Londoner Werkst\u00e4tten, in denen B\u00fccher hergestellt wurden, offenbar auch (noch) franz\u00f6sische Texte auf Lager hatten oder beschaffen konnten.<\/p>\n<p><em>Alexander and Dindimus<\/em> wird von manchen Forschern als Roman charakterisiert. Was daf\u00fcr spricht, ist die Figur des Alexander und die Tatsache, dass exotische und ferne L\u00e4nder vorkommen. Das Moment der Suche, das man normalerweise in englischen mittealterlichen Romane erwarten w\u00fcrde, fehlt allerdings hier. Es ist sehr ungew\u00f6hnlich, dass ein Roman gemeinsam mit franz\u00f6sischen Texten \u00fcberlierfert wird. Tats\u00e4chlich hat unsere Forschung nur ganz wenige solcher \u00dcberlieferungsgemeinschaften ergeben, von denen Bodley 264 eines ist. Man k\u00f6nnte vermuten, dass die unklare Gattungszugeh\u00f6rigkeit (was verstehen wir unter <a title=\"Gattungen\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1925\">Gattungen<\/a>?) der Grund f\u00fcr diese Kombination gewesen ist. Tats\u00e4chlich aber \u2013 und das ist ebenso erstaunlich wie selten \u2013 liefert in diesem Fall die Handschrift selbst eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Zusammenstellung ihrer Texte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=995\">Hier <\/a>erfahren Sie mehr \u00fcber das Missverst\u00e4ndnis, durch das diese Texte in einem Buch landeten.<a title=\"Scribes and the (re)making of books (1)\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=995\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Lesen Sie hier mehr zu: <a title=\"Sprachen\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1594\">Sprachen im Mittelalter<\/a> \u2022 <a title=\"Gattungen\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1925\">Gattungen<\/a> \u2022 <a title=\"Wer bestellte die Handschriften?\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1406\">Buch-Werkst\u00e4tten im Mittelalter<\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">(Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Bodleian Library, University of Oxford<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: x-small;\">http:\/\/image.ox.ac.uk\/show-all-openings?collection=bodleian&amp;manuscript=msbodl264)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im 14. und 15. 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