{"id":1602,"date":"2013-03-13T15:58:04","date_gmt":"2013-03-13T15:58:04","guid":{"rendered":"http:\/\/labs.stefanschleifer.com\/codex\/?p=1602"},"modified":"2013-08-07T11:19:00","modified_gmt":"2013-08-07T11:19:00","slug":"the-making-of-pages","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1602","title":{"rendered":"Buchseiten gestalten"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ein mittelalterlicher Schreiber (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#schreiber\">?<\/a>) eine Handschrift plante, musste er verschiedene Entscheidungen treffen. Auf der Basis der Texte, die zu schreiben waren, musste er entscheiden, welches Format (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#bifolium\">?<\/a>) die Bl\u00e4tter haben sollten, und wie viele Bl\u00e4tter die Handschrift insgesamt enthalten sollte. Nat\u00fcrlich konnte er tricksen: Er konnte einen Text in kleiner Schrift schreiben, um Platz zu sparen, oder in gro\u00dfer, um ihn zu strecken. Nicht unwichtig war dabei auch der vorgesehene Gebrauchskontext: Auf Reisen trug man lieber kleine, handliche B\u00fccher mit sich (so sind private Gebetsb\u00fccher in der Regel kleinformatig), wohingegen es sinnvoll war, ein gro\u00dfes Format zu verwenden, wenn viele Menschen gleichzeitig in ein Buch schauen mussten, wie beispielsweise bei Chorb\u00fcchern f\u00fcr M\u00f6nche (hier geht es zur Homepage \u00fcber ein solches <a href=\"http:\/\/www.antifonarium-tsgrooten.be\/eng\/omtrent02.htm\" target=\"_blank\">Antiphonale aus Ghent<\/a>).<\/p>\n<div id=\"attachment_1760\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/ruling.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1760\" class=\"size-medium wp-image-1760 \" alt=\"Private Collection (by courtesy of the owner): leadpoint ruling\" src=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/ruling-300x71.jpg\" width=\"300\" height=\"71\" srcset=\"https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/ruling-300x71.jpg 300w, https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/ruling-1024x244.jpg 1024w, https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/ruling-500x119.jpg 500w, https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/ruling.jpg 1949w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1760\" class=\"wp-caption-text\">Privatsammlung (mit freundlicher Genehmigung des Eigent\u00fcmers): Bleistiftlinien zur Spaltenbegrenzung<\/p><\/div>\n<p>Bevor man mit dem Schreiben beginnen konnte, musste man Linien auf die Seite zeichnen, die ein regelm\u00e4\u00dfiges Layout garantierten. In den linken und den rechten Rand des Doppelblattes stach der Schreiber daf\u00fcr in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden kleine L\u00f6cher (das hatte den Vorteil, dass sie auf der recto- (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#recto\">?<\/a>) und der verso-Seite (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#verso\">?<\/a>) auf gleicher H\u00f6he waren). Zwischen diesen L\u00f6chern zog er dann mit einem Griffel (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#griffel\">?<\/a>) oder Metallstift (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#metallstift\">?<\/a>) die Linien, auf die er schreiben wollte. Wenn er mehrere Spalten auf einer Seite haben wollte, musste er auch senkrechte Linien ziehen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem musste vorab entschieden werden, welche <a title=\"Scripts\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1604\">Schrift<\/a> der Schreiber verwenden w\u00fcrde und ob die Seite <a title=\"Decoration\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1580\">ausgeschm\u00fcckt<\/a> werden sollte. In letzterem Fall musste der Schreiber Platz lassen, denn der Buchschmuck wurde est anschlie\u00dfend an den Text ausgef\u00fchrt (hier ist ein Beispiel f\u00fcr eine <a href=\"http:\/\/www.bl.uk\/catalogues\/illuminatedmanuscripts\/ILLUMIN.ASP?Size=mid&amp;IllID=5592\">Illustration, die nicht fertig geworden ist<\/a>). Der Buchschmuck wurde meist von verschiedenen spezialisierten Mitarbeitern der Werkstatt (oder des Skriptoriums) ausgef\u00fchrt: alles mit roter Tinte vom Rubrikator (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#rubrikator\">?<\/a>), alle Zeichnungen und die komplexeren Initialen vom Buchmaler (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#buchmaler\">?<\/a>). Manchmal notierte der Schreiber kurze Anweisungen, welcher Buchstabe als Initiale ausgef\u00fchrt oder welche Szene mit einem Bild versehen werden sollte.<\/p>\n<p>Bei alledem musste der Schreiber aufpassen, dass die Doppelseiten und Lagen (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#lage\">?<\/a>) nicht durcheinander gerieten. Dazu konnte er Bl\u00e4tter und\/oder Lagen durchnummerieren. Oder er arbeitete mit Reklamanten (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147\">?<\/a>) am Ende jeder Lage, die den \u00dcbergang zur n\u00e4chsten Lage markierten (<a href=\"http:\/\/isites.harvard.edu\/fs\/docs\/icb.topic453618.files\/Central\/glossary\/images\/catchword1.png\">hier ein Beispiel, wie so etwas aussehen konnte<\/a>).<\/p>\n<p>Wie genau Schreiber beim Abschreiben der Texte vorgingen, finden Sie im Ausstellungsraum zu den beteiligten Menschen unter <a title=\"Wer schrieb die Handschriften?\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1418\">Wer schrieb die Handschriften?<\/a>. Wenn Sie sich f\u00fcr mehr Informationen zur technischen Seite der Buchproduktion interessieren, k\u00f6nnen Sie mehr \u00fcber <a href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1604\">mittelalterliche Schriften<\/a> oder die <a href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1580\">Dekoration der Seiten<\/a> nachlesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein mittelalterlicher Schreiber (?) eine Handschrift plante, musste er verschiedene Entscheidungen treffen. 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