{"id":1600,"date":"2013-03-13T15:55:11","date_gmt":"2013-03-13T15:55:11","guid":{"rendered":"http:\/\/labs.stefanschleifer.com\/codex\/?p=1600"},"modified":"2013-08-06T11:13:03","modified_gmt":"2013-08-06T11:13:03","slug":"the-making-of-books","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1600","title":{"rendered":"B\u00fccher machen"},"content":{"rendered":"<p>Das Grundprinzip der Buchherstellung war im Mittelalter und ist noch heute das Falten. Nehmen Sie ein Blatt Papier und falten Sie es in der Mitte und Sie haben die Basis f\u00fcr ein Buch. Nicht anders hat das im Mittelalter mit <a title=\"Pergament oder Papier?\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1364\">Pergament oder Papier<\/a> funktioniert. Ein gefalteter Bogen ergibt ein Bifolium (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#bifolium\">?<\/a>) oder zwei Bl\u00e4tter (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#blatt\">?<\/a>) oder vier Seiten. Mit jedem weiteren Faltvorgang verdoppelt sich die Anzahl der Bl\u00e4tter (und Seiten), aber die Gr\u00f6\u00dfe halbiert sich. Das Ergebnis nennt man Lage (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#lage\">?<\/a>): eine Anzahl von Doppelbl\u00e4ttern, eines in das andere gelegt.<\/p>\n<p>Wenn man mehrere solcher Lagen zusammenbindet, erh\u00e4lt man einen Kodex. Das Prinzip ist bis heute das gleiche: Man braucht L\u00f6cher im Falz der Lage, eine Schnur sowie Nadel und Garn. Von der Mitte der Lage f\u00fchrt man die Nadel nach au\u00dfen, um die Schnur herum und wieder hinein und verf\u00e4hrt so, je nach Format, zweimal oder \u00f6fter, so dass die Lage an die Schnur angen\u00e4ht wird. Wenn alle Lagen eines Buches so fixiert sind, wird der auf diese Weise erhaltene sog. Buchblock am Einband befestigt (im Mittelalter aus Holz oder Leder oder Pergament, heute meist aus Pappe).<\/p>\n<p>In einem Buch erwartet ein heutiger Leser einen Text oder eine Sammlung zusammengeh\u00f6riger Texte, also eine Anthologie (was wir unter Text verstehen, k\u00f6nnen Sie <a title=\"Texte\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1592\">hier<\/a> nachlesen). Im Mittelalter war das anders. Ein Kodex konnte nur einen (langen) Text enthalten oder an diesen angeh\u00e4ngt noch ein oder mehrere k\u00fcrzere, die den Platz auff\u00fcllten (Pergament war kostbar und leerer Platz wurde nicht vergeudet). Viele Kodeices bestanden auch aus vielen k\u00fcrzeren Texten, die mehr oder weniger koh\u00e4rent zusammengestellt waren. Manchmal wurde auch ein bestehendes Buch um weitere Lagen mit \u00e4hnlichen oder ganz anderen Texten erg\u00e4nzt und neu gebunden. Vermutlich wurden nicht wenige Texte zun\u00e4chst in sog. Faszikeln (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#faszikel\">?<\/a>) aufbewahrt, das hei\u00dft einer oder mehreren Lagen, die keinen festen Einband hatten. Nur wenige Faszikel haben sich allerdings so bis heute erhalten (sie waren nat\u00fcrlich deutlich weniger gesch\u00fctzt als in einem festen Einband). Dass es eine solche Praxis gab, k\u00f6nnen wir dennoch rekonstruieren, denn viele wurden nach einer Phase der Unabh\u00e4ngigkeit mit anderen zusammengebunden \u2013 und Schmutz und andere Gebrauchsspuren weisen heute noch darauf hin, dass sie ihren urspr\u00fcnglichen Platz nicht zwischen zwei Buchdeckeln hatten. Ein Beispiel, bei dem das heute noch sichtbar ist, finden Sie in der <a title=\"Why Put Them Together?\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=920\">deutschen Fallstudie<\/a>.<\/p>\n<p>Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen f\u00fcr heutige Kodikologen (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#kodikologie\">?<\/a>) besteht darin, die Geschichte eines Buches zu rekonstruieren: Wann wurden welche Teile hinzugef\u00fcgt oder herausgetrennt, zu welchen Zeiten wurde es neu gebunden, was k\u00f6nnen wir \u00fcber den Gebrauch des Buches im Laufe der Jahrhunderte heute noch herausfinden? Einen Kodex, in den zwei oder mehr urspr\u00fcnglich unabh\u00e4ngige Teile zusammengebunden wurden, nennt man eine Komposithandschrift; die Teile unterscheiden sich in der Regel hinsichtlich ihres Layouts, der verwendeten Schriften, der beteiligten H\u00e4nde (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#schreiber\">?<\/a>), des Schrifttr\u00e4gers (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#schrifttraeger\">?<\/a>) oder auch einfach nur ihrer Gr\u00f6\u00dfe. Eine solche Komposithandschrift wird in unserer <a title=\"What does the Geraardsbergen manuscript look like?\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=586\">niederl\u00e4ndischen Fallstudie<\/a> vorgestellt.<\/p>\n<p>Informationen zur Gestaltung der Seiten in einem mittelalterlichen Buch finden Sie <a title=\"The Making of: Pages\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1602\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Grundprinzip der Buchherstellung war im Mittelalter und ist noch heute das Falten. Nehmen Sie ein Blatt Papier und falten Sie es in der Mitte und Sie haben die Basis f\u00fcr ein Buch. 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