{"id":1586,"date":"2013-03-13T15:05:20","date_gmt":"2013-03-13T15:05:20","guid":{"rendered":"http:\/\/labs.stefanschleifer.com\/codex\/?p=1586"},"modified":"2013-08-19T14:55:43","modified_gmt":"2013-08-19T14:55:43","slug":"clerks-and-monks","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1586","title":{"rendered":"Werkstatt oder Kloster?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #993300;\"><strong>Es war einmal vor langer Zeit \u2026<\/strong><\/span> da lebte ein einfacher M\u00f6nch in einem Kloster. Seine Aufgabe war es, im Skriptorium (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#skriptorium\">?<\/a>) B\u00fccher zu vervielf\u00e4ltigen. Sein ganzes Leben verbrachte er damit, wieder und wieder dieselben Texte abzuschreiben, die sich in dem einen Buch befanden, das seit der ersten Abschrift sorgsam in einer h\u00f6lzernen Truhe verschlossen war. Als er merkte, dass sein Ende nah war, bat er den Abt um eine letzte Gnade: noch einmal wollte er das ehrw\u00fcrdige Original in H\u00e4nden halten, dessen Texte er so oft geschrieben hatte. Mit zitternden Fingern wendete er Blatt um Blatt und las die Texte, die er mittlerweile ausw\u00e4ndig konnte. Kurz bevor er das Buch aus der Hand legen wollte, fielen seine Augen auf ein Wort, das er noch nie gesehen hatte. Er begriff, dass er all die Jahre einen Fehler gemacht hatte: Statt <em>celebatus<\/em> (&#8216;gepriesen, verherrlicht&#8217;) hatte er stets <em>caelibatus<\/em> (&#8216;z\u00f6libat\u00e4r&#8217;) geschrieben \u2026<\/p>\n<p>Der Witz ist alt, aber das Bild, das er transportiert, steckt fest in unseren K\u00f6pfen: M\u00f6nche, die ein Buch nach dem anderen abschreiben (und dabei Fehler machen). Dabei war die mittelalterliche Buchproduktion deutlich vielf\u00e4ltiger, als man annehmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Bis zum 12. Jahrhundert entstanden tats\u00e4chlich die meisten B\u00fccher in Kl\u00f6stern. Sie waren die interllektuellen Zentren, versammelten das notwendige Wissen und stellten die beste Infrastruktur zur Verf\u00fcgung. Als aber ab dem 12. Jahrhundert St\u00e4dte entstanden, der Handel immer wichtiger wurde und mehr und mehr Universit\u00e4ten gegr\u00fcndet wurden, lernten auch immer mehr Menschen Lesen und Schreiben. Zun\u00e4chst diente das administrativen Zwecken, doch bald wuchs auch die Nachfrage nach B\u00fcchern mit unterhaltenden oder besinnlichen Inhalten und \u00fcberstieg die M\u00f6glichkeiten der Kl\u00f6ster. So kam es, dass immer mehr Menschen vom Schreiben leben konnten: Lehrer, Notare, Priester und Verwaltungsbeamte verdienten sich ein Zubrot, indem sie Texte abschrieben.<\/p>\n<p>In den Handels- und Wissenszentren wie Paris, Oxford, London, Ghent, Br\u00fcgge und Br\u00fcssel, N\u00fcrnberg, Augsburg oder Stra\u00dfburg wurden B\u00fccher im Sp\u00e4tmittelalter im gro\u00dfen Stiel hergestellt. So gab es im Paris des 13. Jahrhunderts mehrere Stra\u00dfen, in denen Pergamentmacher, Schreiber (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#schreiber\">?<\/a>) und Buchmaler (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#buchmaler\">?<\/a>) wohnten, die gemeinsam an der Herstellung der sch\u00f6nsten Handschriften beteiligt waren. Nach und nach entstanden Werkst\u00e4tten, in denen Spezialisten arbeitsteilig B\u00fccher herstellten. Lesen Sie hier mehr zu der <a title=\"Wer bestellte die Handschriften?\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1406\">ber\u00fchmtesten Werkstatt<\/a> im deutschsprachigen Raum.<\/p>\n<p>Alle Handschriften, die in unserer Ausstellung vorkommen, wurden in St\u00e4dten hergestellt.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu: <a title=\"The Making of\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1522\">Entstehung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal vor langer Zeit \u2026 da lebte ein einfacher M\u00f6nch in einem Kloster. Seine Aufgabe war es, im Skriptorium (?) B\u00fccher zu vervielf\u00e4ltigen. 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