{"id":1406,"date":"2013-02-10T13:06:34","date_gmt":"2013-02-10T13:06:34","guid":{"rendered":"http:\/\/labs.stefanschleifer.com\/codex\/?p=1406"},"modified":"2013-08-08T14:11:27","modified_gmt":"2013-08-08T14:11:27","slug":"patrons","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1406","title":{"rendered":"Wer bestellte die Handschriften?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1407\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Adenets-book.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1407\" class=\"size-medium wp-image-1407    \" alt=\"Paris, Biblioth\u00e8que de l'Arsenal, MS 3142 f. 72r Reproduced by courtesy of Biblioth\u00e8que nationale de France : gallica.bnf.fr\/?lang=EN\" src=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Adenets-book-290x300.jpg\" width=\"290\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Adenets-book-290x300.jpg 290w, https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Adenets-book.jpg 930w\" sizes=\"(max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1407\" class=\"wp-caption-text\">Der ber\u00fchmte Dichter Adenet le Roi (13. Jh.) \u00fcberreicht seinem Auftraggeber das fertige Buch.<br \/>Paris, Bib. de l&#8217;Arsenal, MS 3142, f. 72r<br \/>Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Biblioth\u00e8que nationale de France : gallica.bnf.fr\/?lang=EN<\/p><\/div>\n<p>Das ganze Mittelalter hindurch konnten Kunst und Literatur allein durch die Finanzierung wohlhabender G\u00f6nner (sogenannter M\u00e4zene) entstehen. Freischaffende und selbstfinanzierte K\u00fcnstler gab es nicht. <a title=\"M\u00e4zene\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=2966\">Hier<\/a> finden Sie weitere Informationen zum mittelalterlichen Literaturbetrieb und der Bedeutung der M\u00e4zene.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich musste nicht nur die Dichtung finanziert werden, sondern auch das Buch, in dem sie niedergeschrieben wurde. Unsere Abbildung zeigt, wie sowohl das Werk als auch das Buch dem Auftraggeber verpflichtet sind.<\/p>\n<p>Auch wenn Handschriften abgeschrieben wurden (also nicht oder nicht \u00fcberwiegend Originaldichtung enthielten), ging das nur mit Geldgebern, denn die Produktion war teuer (lesen Sie hier mehr zur <a title=\"Herstellung\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1522\">Herstellung<\/a> oder speziell zu den Beschreibstoffen <a title=\"Pergament oder Papier?\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1364\">Papier oder Pergament<\/a>). Waren diese zun\u00e4chst \u00fcberwiegend Adelige, so kamen im Sp\u00e4tmittelater immer mehr zu Geld gekommene B\u00fcrger der florierenden St\u00e4dte hinzu. Auch die Auftraggeber von Handschriften sind manchmal in diesen verewigt. So kann es sein, dass die einzige Illustration in der franz\u00f6sischen Handschrift BNF, fr. 837 <a href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1226\">den Auftraggeber darstellt<\/a>.<\/p>\n<p>Mit der Verbreitung von Werkst\u00e4tten, die sich auf die Herstellung von Handschriften spezialisierten und professionelle Spezialisten besch\u00e4ftigen (Buchbinder, Schreiber, Illustratoren, Rubrikatoren (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#rubrikator\">?<\/a>)) entstand schlie\u00dflich eine Vorform des Buchhandels. B\u00fccher wurden nun nicht mehr nur als Auftragswerke produziert, sondern die Werkst\u00e4tten versuchten, den Geschmack der K\u00e4ufer zu antizipieren, und hielten vorab produzierte B\u00fccher zum Sofort-Kaufen bereit.<\/p>\n<div id=\"attachment_2974\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Cpg314-1r.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2974\" class=\" wp-image-2974   \" alt=\"Cpg314-1r\" src=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Cpg314-1r.jpg\" width=\"290\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Cpg314-1r.jpg 649w, https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Cpg314-1r-204x300.jpg 204w\" sizes=\"(max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2974\" class=\"wp-caption-text\">Der Beginn von Ulrich Boners &#8216;Edelstein&#8217; in einer Handschrift aus Diebold Laubers Werkstatt.<br \/>Heidelberg, UB, Cpg 314, f. 1r.<br \/>Abbildung mit freundlicher Genehmigung der UB Heidelberg, http:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/cpg314\/0039<\/p><\/div>\n<p>Das wohl ber\u00fchmteste Beispiel einer solchen hochspezialisierten und sehr erfolgreichen Werkstatt im deutschsprachigen Raum ist die von Diebold Lauber im 15. Jahrhundert (hier der Link zu einer <a href=\"http:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/de\/bpd\/glanzlichter\/oberdeutsche\/lauber.html\">sehr anschaulichen Virtuellen Ausstellung<\/a> der UB Heidelberg dazu). Lauber produzierte billige und viele Papierhandschriften mit zahlreichen Illustrationen und erschloss sich damit breite K\u00e4uferkreise. Seine B\u00fccher haben ein einheitliches Layout, was gleichzeitig eine z\u00fcgige Produktion erlaubte und einen hohen Wiedererkennungswert hatte \u2013 hat man ein paar Lauber-Handschriften gesehen, kann man andere auch heute noch leicht erkennen.<\/p>\n<p>In der Handschrift, aus der unser Bild stammt, hat sich ein einzigartiges weiteres Zeugnis dazu erhalten, wie Laubes Buchhandel funktionierte: Auf Blatt 4ar ist eine Werbeanonce eingeklebt, mit der Lauber auf die vielen in seiner Werkstatt produzierten Handschriften hinwies \u2013 und das erinnert dann schon sehr an unsere B\u00fccher, in denen am Schluss auf weitere B\u00fccher desselben Verlages hingewiesen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ganze Mittelalter hindurch konnten Kunst und Literatur allein durch die Finanzierung wohlhabender G\u00f6nner (sogenannter M\u00e4zene) entstehen. Freischaffende und selbstfinanzierte K\u00fcnstler gab es nicht. 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