{"id":1342,"date":"2013-01-23T13:06:01","date_gmt":"2013-01-23T13:06:01","guid":{"rendered":"http:\/\/labs.stefanschleifer.com\/codex\/?p=1342"},"modified":"2013-07-23T17:09:48","modified_gmt":"2013-07-23T17:09:48","slug":"medieval-inventions","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1342","title":{"rendered":"Erfindungen des Mittelalters"},"content":{"rendered":"<p>Die allerersten Kodices hatten nur wenig gemeinsam mit dem, was wir uns heute unter einem Buch vorstellen. Zwar hatten auch sie schon zwei Buchdeckel und zwischen diesen Seiten (was sich vom Prinzip bis heute gehalten hat \u2013 au\u00dfer bei Taschenb\u00fcchern). Aber ansonsten fehlte ihnen viel von dem, was moderne B\u00fccher ausmacht. Schon im Mittelalter begann man allerdings, die Gestaltung, die Benutzerfreundlichkeit und nicht zuletzt den Preis von B\u00fcchern zu verbessern.<strong>Titel<\/strong>. Was w\u00fcrden Sie tun, wenn Sie einen bestimmten Text in einem Buch suchen, das viele Texte enth\u00e4lt, und es g\u00e4be keine Titel? Vermutlich w\u00e4ren Sie ziemlich hilflos. Dem Mittelalter ging das offenbar nicht so, jedenfalls gibt es viele Beispiele von Sammelhandschriften, die ohne Titel auskommen. Manchmal sind die Texte durch etwas Freiraum getrennt oder durch eine Initiale (<a href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#initial\">?<\/a>), h\u00e4ufig aber noch nicht einmal das, so dass mn kaum erkennen kann, wo ein Text aufh\u00f6rt und der n\u00e4chste beginnt. Der Grund daf\u00fcr liegt auf der Hand: <a title=\"Parchment vs. Paper\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1364\">Pergament<\/a> war teuer, und es sollte kein Platz verschenkt werden. Vielleicht war es auch so gedacht, dass man nicht bestimmte Texte herausgreifen sollte, sondern einen nach dem anderen zu lesen hatte.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es aber schon sehr fr\u00fche Handschriften, die Titel f\u00fcr Texte verwenden, um sie wiedererkennbar zu machen. Mit der Zeit wurden diese immer h\u00e4ufiger: Rubriken (<a href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#rubric\">?<\/a>) konnten dann Informationen zum Inhalt des folgenden Textes enthalten, auch wenn das nicht immer sehr eindeutig war (z. B. &#8216;Der Ritter und die Dame&#8217;). Manchmal ist eine Rubrik auch nur dazu da anzuzeigen, dass etwas Neues oder etwas \u00c4hnliches wie vorher beginnt (&#8216;Ein weiteres&#8217; oder &#8216;Noch eines&#8217;). Immer \u00f6fter finden sich schlie\u00dflich auch verdichtende, charakterisierende Titel, wie wir sie aus der Neuzeit kennen (&#8216;Der G\u00fcrtel&#8217; oder &#8216;Der Kaiser mit dem Bart&#8217;).<\/p>\n<p><strong>Inhaltsverzeichnisse<\/strong>. Die Erfindung von Titeln war die Grundlage daf\u00fcr, dass mit der Zeit auch Inhaltsverzeichnisse entstehen konnten. In der Volkssprache (<a title=\"Glossar\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?page_id=1147#volkssprache\">?<\/a>) entstehen diese im 13. Jahrhundert (in lateinischen Handschriften gibt es sie schon fr\u00fcher). Sie halfen dabei, einen \u00dcberblick zu bekommen, was alles in einem Buch enthalten war, oder einen gew\u00fcnschten Text aufzufinden. Und wer wei\u00df wozu sie noch gut waren: Vielleicht gaben stolze Besitzer vor ihren Freunden damit an, welche Texte sie alle in ihrer Bibliothek hatten? Sicherlich waren sie auch praktisch, wenn es darum ging, die eigene Bibliothek zu erg\u00e4nzen und dabei Dubletten zu vermeiden. Zumindest von einem Besitzer des 16. Jahrhunderts wissen wir, dass er so vorging (<a title=\"Comparing Minnereden\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=938\">siehe den Post \u00fcber Minnereden<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Foliierung<\/strong>. Wenn ein Inhaltsverzeichnis dazu dienen soll, einen Text leichter zu finden, ist es nat\u00fcrlich extrem hilfreich, wenn auch die Seiten des Buches nummeriert sind. Bei Handschriften werden traditionell nicht die Seiten, sondern die Bl\u00e4tter gez\u00e4hlt (&#8216;foliieren&#8217; von lat. <em>folium<\/em>, &#8216;Blatt&#8217;). Es gibt nur wenige B\u00fccher, die schon im Mittelalter eine solche Foliierung bekamen oder bei denen die Texte durchgez\u00e4hlt wurden. Umso wichtiger ist diese Erfindung einzusch\u00e4tzen, die die Benutzerfreundlichkeit eines Buches und eines Inhaltsverzeichnisses wesentlich erh\u00f6hte. Und nicht zuletzt k\u00f6nnen wir daraus auch schlie\u00dfen, dass bei den Lesern irgendwann das Bed\u00fcrfnis entstand, auch einzelne Texte einer Handschrift zur Kenntnis zu nehmen, und nicht mehr die Texte linear hintereinander zu lesen.<\/p>\n<p><strong>Papier<\/strong>. Eine der wichtigsten mittelalterlichen Erfindungen ist zweifellos das Papier. In dem Moment, wo Schreiber dieses bedeutend billigere (wenn auch weniger haltbare) Material zu nutzen begannen, waren sie viel freier, Erg\u00e4nzungen vorzunehmen, gr\u00f6\u00dfere Schriften zu verwenden, mit dem Raum (und dem Freiraum!) auf einer Seite zu arbeiten (zum Beispiel um Platz f\u00fcr Erweiterungen oder Illustrationen zu lassen oder zwei Texte deutlich voneinander abzugrenzen). Es war nun auch nicht mehr wichtig, ob ein Text wichtig genug war, um ihm Platz auf dem Pergament zu widmen, so dass die Menge der niedergeschriebenen Texte f\u00f6rmlich explodierte. (Siehe auch <a title=\"Parchment and Paper\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1364\">Pergament oder Papier?<\/a>).<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu: <a title=\"The Making of\" href=\"http:\/\/de.everycodextellsastory.eu\/?p=1522\">Herstellung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die allerersten Kodices hatten nur wenig gemeinsam mit dem, was wir uns heute unter einem Buch vorstellen. 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