Randnotizen in der Geraardsbergen-Handschrift

Abgesehen von den Namen, bei denen es sich möglicherweise um Besitzvermerke handelt, gibt es in der Handschrift noch andere Notizen von Schreibern oder Lesern. Eine davon ist besonders interessant: Am Ende des ersten Teiles der Komposithandschrift (?) hat jemand den leeren Platz am Ende des Textes auf fol. 101r genutzt, um folgendes zu notieren:

Brussels - KBR - 837-45, fol. 101r: Inscription by the scribe? (by courtesy of KBR Brussels)

Brüssel, KBR, 837-45, fol. 101r.

Als levende gheboren was ic wast te zochter,/ november XVI Alyonora een dochter
(‘Als sie lebendig zur Welt kam, war mein Herz froh./ Am 16. November Alyonora, eine Tochter’)

Dieselbe Hand (?) schrieb auch eine Ergänzung im zweiten Teil der Handschrift: Auf fol. 123r hat sie zwischen dem zweiten und dritten Vers auf der Seite ein Verspaar ergänzt. Zwar würde man erwarten, dass eine solche Korrektur nur vom Hauptschreiber sein kann (denn ihm lag ja die Vorlage noch vor), aber auf den ersten Blick sieht diese Hand anders aus als seine. Vielleicht war es seine Schnell-Schrift und der Nachtrag stammt von demselben Schreiber, der die ganze Handschrift schrieb? Wenn das der Fall ist, dann bedeutet das, dass der Schreiber gleichzeitig auch der Besitzer dieser Komposithandschrift war – denn in einer Handschrift, die ihm nicht gehörte, hätte er wohl kaum einen Vermerk über die Geburt seiner Tochter angebracht!

Welche Konsequenzen kann man aus dieser (und anderen) Beobachtungen also auf den ersten Besitzer der Handschrift ziehen?

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(Abbildung mit freundlicher Genehmigung der KBR Brussels.)

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