Weg mit den Obszönitäten!

Ein weiterer Leser störte sich an obszönen Stellen und radierte die Wörter, die ihn störten, aus den Titeln und Explizits (?). Hier hat er das Wort cons aus dem Titel du chevalier qui fist les cons paller (‘Der Ritter, der jede Vulva zum Reden brachte’) entfernt.

Überschrift mit radiertem obszönen Wort.
Paris, BNF, fr. 837 (pre 1300), f. 148v

Einmal hat er sogar das Wort vin (‘Wein’) ausradiert (Alkohol fand er offenbar auch problematisch), aber in den meisten Fällen ist es stehen geblieben. Bei den Wörtern, die er obszön fand, war er gründlicher und entfernte sie systematisch aus den Titeln.

'Des cons' BnF, fr. 837, f. 241v (detail) Taken from Gallica by kind permission of the BnF. www.gallica.bnf.fr

‘Des cons’
BnF, fr. 837, f. 241v (Ausschnitt)

Allerdings nur aus diesen:

Interessanterweise löschte er sie fast nie innerhalb der Texte (es gibt in der Handschrift nur einen Fall von Zensur in einem Text selbst). Das Bild zeigt den Text des cons, bei dem das Wort con im Titel ausradiert, aber unmittelbar darauf im Text zweimal stehen gelassen wurde.

 

Überhaupt war die Zensur nicht sehr systematisch. Manche Wörter fand der Leser offenbar anstößiger als andere; oder vielleicht war er auch manchmal nur auf der Suche nach einem bestimmten Wort und übersah dabei andere. Das folgende Beispiel zeigt, dass er zwar das Wort con ausradierte, nicht aber das im selben Explizit stehende cul (‘Arsch’)

Explicit du cul et du [con].
BnF, fr. 837, f. 184r

Aber dieser Leser hatte nicht das letzte Wort: Ein anderer folgte, der mit obszönen Wörtern offenbar kein Problem hatte und einige wieder nachtrug.

Hier geht es zu den anderen beiden Lesern, die Spuren hinterließen:

dem Titelschreiber,
dem, der die fehlenden Texte nachwies.

Und hier zur Startseite zu dieser Handschrift.

(Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Bibliothèque nationale de France: gallica.bnf.fr.)

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